Jana Prokop, Juristin und Inhaberin der Buchlounge Zehlendorf in Berlin, wurde im Mai auf der Mitgliederversammlung der eBuch in Weimar neu in den Aufsichtsrat gewählt. Die Versammlung war geprägt von offenem Austausch, produktiven Diskussionen und dem gemeinsamen Blick auf die Herausforderungen und Chancen des unabhängigen Buchhandels. Literarische und gesellschaftliche Impulse gaben Gastautorin Jarka Kubsova und Professor Dr. Brockmann, die den Branchendialog auf besondere Weise bereicherten.
Mit Jana Prokop gewinnt der Aufsichtsrat der eBuch eine Kollegin, die die Perspektive einer Buchhändlerin, Juristin und eines Mitglieds einbringt und die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit von Vorstand, Aufsichtsrat und Mitgliedern weiter stärkt.
Im Interview spricht die Aufsichtsrätin über ihren Weg in den Buchhandel, ihre Entscheidung für die eBuch und darüber, welche Rolle genossenschaftliches Handeln für unabhängige Buchhandlungen heute spielen kann.
Interview:
Sie sind als Quereinsteigerin in den Buchhandel gekommen. Was hat Sie an dieser Branche so überzeugt, dass daraus mehr wurde als ein beruflicher Neustart?
Es war definitiv kein beruflicher Neustart, neun Jahre lang war es nur eine Nebenbeschäftigung, heute bin ich ausschließlich buchhändlerisch tätig und inzwischen auch als Ausbilderin.
So banal und vielleicht auch naiv es klingen mag, und so oft es in Bewerbungsschreiben steht: Ich lese gerne! Mein Einstieg in den Buchhandel begann mit einer stillen Beteiligung an einer Berliner Buchhandlung. 2015 gründete ich meine eigene Buchhandlung mit allgemeinem Sortiment und einem Schwerpunkt auf bibliophile Ausgaben. Dank meiner Mitarbeiter:innen, von denen ich schnell das nötige buchhändlerische Fachwissen lernen durfte, haben wir das Sortiment an den Bedürfnissen unserer Kundschaft ausgerichtet und den betrieblichen Ablauf effizient gestaltet.
Ich liebe es, mit meinen klugen, fröhlichen Mitarbeiter:innen zusammen zu arbeiten, ohne die ich mir meine Arbeit im Buchhandel nicht vorstellen kann.
Die Buchhandlung ermöglicht es mir, vielen Schülerpraktikant:innen schwer vermittelbaren Jugendlichen und jungen Menschen zur Orientierung Einblick in einen wirtschaftlichen Betrieb mit dieser wunderbaren Ware „Buch“ zu geben.
Viele Buchhandlungen wägen genau ab, welchen Verbundgruppen und Partnern sie sich anschließen. Was hat für Sie damals den Ausschlag gegeben, Mitglied der eBuch zu werden?
Zu Beginn arbeitete ich mit KNV und Libri als zweitem Barsortiment und bestellte den Großteil der Ware bei den Verlagen. Später überzeugten mich jedoch die attraktiven Konditionen der eBuch - vor allem aber die Möglichkeit, deutlich effizienter zu arbeiten. Bestellungen, Wareneingang, Remissionen lassen sich viel einfacher und effizienter abwickeln - bei voller Kontrolle.
Späterhin lernte ich auch die hinter der eBuch-Gemeinschaft stehenden Menschen bei einer der eBuch-Touren in Berlin kennen. Aus vermeintlichen Konkurrenten wurden sich gegenseitig unterstützende Partner - Genossen eben! Nicht zuletzt lernte ich das Team der eBuch persönlich kennen und bin seitdem begeistert von der Professionalität und Freundlichkeit und auch deren Weitblick.
Welche Themen beschäftigen Ihres Erachtens unabhängige Buchhandlungen derzeit am stärksten und wo kann genossenschaftliches Handeln konkret helfen?
Zweifellos kämpfen unabhängige Buchhandlungen besonders mit den stetig und ohne erkennbares Ende wachsenden Kosten und gleichzeitig sinkenden Umsätzen. Damit ringen sie schlicht um ihre Unabhängigkeit. Was bisher ein leidliches Einkommen sicherte, wird zunehmend zu einer prekären wirtschaftlichen Situation. Einige greifen schon auf ihre Alterssicherung zurück oder leben von ihrem gut situierten Lebenspartner.
Bisher ist es der Genossenschaft gelungen, im Vergleich zu anderen Bezugsquellen günstigere Konditionen zu ermöglichen. Das wird aus meiner Sicht künftig aber nicht ausreichen. Vielmehr hoffe ich, dass explizit der unabhängige, inhabergeführte Buchhandel - nicht nur die Buchbranche im Allgemeinen - mit unserer Genossenschaft eine starke Stimme bekommt, die es bisher nicht gibt. Leser:innen müssen stärker darauf aufmerksam gemacht werden, welche Vorteile, Qualität und Vielfalt sie im unabhängigen Buchhandel erwarten dürfen und auch darauf, dass diese Strukturen nur erhalten bleiben, wenn Bücher dort gekauft werden.
Neben der starken Stimme für den unabhängigen Buchhandel erhoffe ich mir auch greifbare Vorteile für die Mitglieder der eBuch und ihren Kund:innen. Denn viele ziehen eine bequeme Buchbestellung bei einem globalen Onlinehändler einer analogen Bestellung oder einer Bestellung in den Online-Shops der Unabhängigen vor, weil sie die Vorteile und den Nutzen nicht erkennen.
Sie wurden kürzlich in den Aufsichtsrat der eBuch gewählt. Was reizt Sie an dieser Aufgabe in einer Genossenschaft, die stark vom Zusammenspiel von Vorstand, Aufsichtsrat und Mitgliedern lebt?
Die eBuch steht angesichts der schwierigen Lage des unabhängigen Buchhandels vor wichtigen Aufgaben. Umso wichtiger ist es, dass die Mitgliedschaft diese Entwicklung als bunte Mischung aus Individualisten, Kreativen und wirtschaftlich denkenden Unternehmern aktiv mitträgt und mitgestaltet. Da kommt die Stellung des Aufsichtsrates als Bindeglied zwischen Mitgliedern und Vorstand besonders zum Tragen. Die Mitglieder setzen großes Vertrauen in Aufsichtsrat und Vorstand. Ich hoffe, diesem Vertrauen gerecht zu werden und meine Kompetenzen sinnvoll einbringen zu können.
Interview Ende
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